Nachdem ich die letzten Tage einmal von rechts nach links und oben nach unten und wieder zurück gestiefelt bin, beschloss ich heute, einmal ein paar Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Ich möchte nun nicht wirklich jede keine Kirche besuchen, aber die eine oder andere Besonderheit nehme ich gerne in Angriff. Letztendlich haben heute drei Attraktionen mein Herz erfreut.
Direkt im Zentrum ist der Eingang zur großen Zisterne (Palombaro Lungo) von Matera. Diese wird heute nicht mehr genutzt und wurde erst 1991 bei Bauarbeiten wieder freigelegt. Sie fasst 5 Millionen Liter Wasser. Das Wasser wurde aber abgesenkt und die Zisterne den Touristen zur Begehung freigegeben. Es ist etwas eng gestalten, da es nur über Metallstufen und -stege entlang ging und man auf diesen auch zurück musste. Es herrschte also reger Gegenverkehr.



Zum Glück war es hier rentnerarm, im Gegensatz zum Rest von Sassi. Rentner haben ja viele Eigenschaften:
- Sie treten meist in Gruppen auf.
- Stehen immer im Weg
- Sind umständlich
- Brauchen für Fotos immer ewig
- Deutscher Rentner erkennbar an: kurzer Hose, Sandalen mit Socken, kariertem Kurzarmhemd
- Deutsche Rentnerin erkennbar an: eher praktischer als schöner Kurzhaarfrisur, ihren Mann rufend
Danach ging es in eine alte Felsenwohnung, die so eingerichtet war, wie die Menschen damals wohnten. Was heißt hier damals: Bis 1953 lebten hier Menschen unter diesen Bedingungen. Danach wurden die Bewohner auf Erlass des damaligen Ministerpräsidenten umgesiedelt, ich die neueren Stadtteile. Es ist etwas surreal, sich das vorzustellen. Da lebte eine Familie mit bis zu sechs Kindern auf engstem Raum. Gut, gibt’s ja heute auch noch. Aber: zusammen mit Esel (hier ist einmal nicht der Herr des Hauses gemeint) und Hühnern. Der Stall war sozusagen ein Teil der Wohnung. Die Hühner liefen ums, unterm und auch auf dem Bett herum. Hygienestandard: widerlich.



Neben der alten Behausung gab es auch noch einen Schneespeicher. Hier wurde Schnee konserviert und für medizinische oder kulinarische Zwecke verwendet. Diese Ära wurde beendet als die Kühlschränke Einzug hielten. Natürlich durfte auch eine Kirche nicht fehlen. Diese wurde aber irgendwann entweiht und durfte zu nicht-christlichen Zwecken verwendet werden. Alles in allem eine sehr lohnenswerte Besichtigung. Der Link zum Audioguide gibt’s hier, da kann der eine oder andere interessierte Bürger sich noch Zusatzinformationen anhören (Link).


Letztes Ziel war die in den Fels gebaute Kirche Chiesa di San Giovanni in Monterrone. Dazu kann ich gar nichts Genaues erzählen, denn man muss diese einfach sehen. Komplett in einen Berg gebaut (sie ist eigentlich der Berg), bietet sie wenig Platz für große Gottesdienste. Es sind teilweise noch recht gut erhaltene alte Fresken zu sehen.




Um das ganze Gebiet der Kirche herrschte reges Treiben. Cafés, Restaurants, Lädchen, Kunstateliers ziehen sich durch die gesamten Sassi und laden zum Verweilen ein. Gestern, als ich in einem kleinen Bistro einkehrte würde ich von einer Kellnerin bedient, die zwei Jahre in Düsseldorf gelebt hatte. So erfuhr ich, dass die Sassi, anders als ich letztens schrieb, nicht von Einheimischen bewohnt werden. Die Sassi wurden wohl in den letzten zehn Jahren erst richtig saniert. Heute sind dort hauptsächlich AirBnBs, Hotels, kleine Geschäfte und Cafés angesiedelt. Für einheimisches Bewohnen ist das Gebiet zu ungeeignet. Allein schon der Satz: „Schatz, die Butter ist alle“ stellt hier einer Herausforderung dar. Es gibt keinen Supermarkt, ein Weg hoch in die Stadt ist immer notwendig. Dann ist der Ort bei Regen, sagen wir Mal: schlüpfrig. Hier wird die Stadt zu jeder Regenzeit zum unfreiwilligen Tanzparcours. So stürzen wenigstens nur die Touristen.

Ansonsten gibt es hier sehr viele Katzen, die kleinen Vierbeiner haben hier aufgrund des eingeschränkten Autoverkehrs ein prima Leben. Wollen aber nicht wirklich schmusen: Frechheit! An Federvieh gibt es hier sehr viele Schwalben. Man sieht überall kleine Schwalbennester.

So, zurück auf dem Zimmer mit vollem Pizzabauch lasse ich den Abend ausklingen. Morgen ist der letzte Tag in Matera, dann geht’s wieder.
Es ist fast Halbzeit der Reise. Reichlich zwei Wochen stehen noch an. Also ich weiß nicht, wie ihr das seht: Ich könnte mich daran gewöhnen. Hab ich ja auch schon.