
Das Beste kommt zuletzt, sagt man ja. Darum bin ich jetzt in Florenz – für mich die absolute Nummer 1 in Italien, was Großstädte angeht. Mein Hotel ist ganz gut gelegen und war das einzig Bezahlbare für unter 100 € die Nacht. Sowas gab’s sonst nur als Bett im charmanten 10-Mann-Schlafsaal. Das Hotel hier ist ganz einfach, und dank eines Zimmerupgrades habe ich sogar ein eigenes Bad. Sonst hätte ich ein Gemeinschaftsbad gehabt. Kann gut sein, kommt aber immer drauf an, wer gerade mit unter der Dusche steht: Bianca oder Karl-Heinz. So habe ich nun doch alles für mich alleine und muss keine haarigen Rücken schrubben.
Florenz ist quirliges Leben. Die Innenstadt besteht komplett aus alten, historischen, meist prunkvollen Bauten. Man spürt die goldenen Zeiten der Vergangenheit immer noch.
Was mir sofort wieder allgegenwärtig wurde, ist der Bezug zu Leder und Schmuck. Vom Bahnhof einmal um die Ecke gebogen, standen sie da: die Händler. Soweit das Auge bzw. die Gasse reichte. Handtaschen, Schuhe, Gürtel. Und zwischendurch immer Schmuck der einfacheren Art. Obwohl ich ein Hotel recht zentral in der vermeintlichen Fußgängerzone bzw. verkehrsberuhigten Zone habe, hält das nachts die Crossmotorräder nicht davon ab, hier entlangzufahren. Nicht viele, aber eins reicht und man ist wach. Auch meldet sich meine Erkältung wieder. Es nervt langsam, dass sich alles so in die Länge zieht. Denkt man, man hat es hinter sich gelassen und strotzt wieder voller jugendlicher Energie – Pustekuchen.
Ich hatte in Florenz nur wenige Ziele. In erster Linie heißt es wieder: La dolce vita. In zweiter Hinsicht wollte ich auf den Spuren der Medici wandern und drittens mich nach einem Medici-Ring umschauen. Bis auf den Ring konnte ich bisher alles erledigen. Ich habe diesmal versucht, nicht immer in Restaurants essen zu gehen, aber es ist mir einfach nicht möglich gewesen, irgendwo günstig ein Stück Pizza und vielleicht einen Kaffee dazu zu erhaschen. Als ich mich abends mit einer kleinen Pizza und einem Spritz in ein kleines Bistro setzte, waren auch mal schnell 20 € weg. Okay, ein eingeschweißtes, belegtes Toastbrot habe ich mir dann auch mal geholt. Aber ich muss sagen: Puh, Geschmack ist was anderes. Nee, dann lieber wieder ordentlich. Generell merkt man in Italien schon die Inflation. Wer auf der Suche nach günstigen Unterkünften ist, muss lange suchen. Im Ort sind 300 € pro Nacht keine Seltenheit – und da bekommt man oft auch nur einfache Absteigen. Auch das Wasser, das in Meran noch 30 Cent pro Liter kostet, kostet hier im Supermarkt 1,20 € – dasselbe Wasser! Und als ich zwei Kugeln Eis bestellte und 12 € zahlen musste, war das auch eine kleine Überraschung. Es war zwar eine riesige Portion, aber ich denke, 8 € wären auch okay gewesen.

Gestern Abend habe ich mir eine Schifffahrt auf dem Arno mit Livemusik gegönnt. Die Fahrt begann um 20:30 Uhr, sodass ich den Sonnenuntergang in Florenz vom Wasser aus sehen konnte. Es war ein richtiges Highlight. Im Anschluss gab es dann um 22 Uhr noch eine Portion Pici mit typisch toskanischem Ragù und natürlich ordentlich Parmesan obendrauf.

Heute musste ich für meine Verhältnisse früh los. Ich hatte für 9 Uhr eine Karte für den Palazzo Vecchio gebucht. Der einstige Regierungssitz mit dem Saal der 500 der Republik Florenz war beeindruckend. Auch heute ist es noch das Rathaus der Stadt.



Um 11:30 Uhr ging es zum nächsten Palazzo: dem Palazzo Medici Riccardi. Dies war das Wohnhaus der Familie Medici, und man zeigte seinen damaligen Stand sehr deutlich. Hier wurden die inoffiziellen Fäden der Politik gezogen.

Im Großen und Ganzen ist Florenz von Palästen damaliger adliger Familien gepflastert. Hier muss ich leider einmal in Richtung der sozialistisch angehauchten Menschen mitgeben, dass bedeutende Werke und Kunst oft erst durch den Reichtum einzelner Personen geschaffen wurden. Man sollte bei dem ganzen Umverteilungsblödsinn bedenken: Wenn keinem etwas gehören würde, bestünde die Welt nur aus einfachsten Plattenbauten. Kein Schmuck, keine Verzierung hier oder da. Für wen gäbe es denn dann noch Anreize, etwas zu schaffen? Ich finde, man sieht an Städten wie Florenz, dass Reichtum das Leben von vielen Menschen auch geistig bereichert hat – sei es durch Architektur oder Kunst.

So gibt es auch auf der berühmten Brücke, der Ponte Vecchio, Gold und Edelsteine in Form von Schmuck zu bestaunen. Ich entdeckte einen wunderschönen Ring für die allerbeste Ehefrau von allen. Da kein Preis ausgeschildert war, ging ich einfach mal ins Geschäft. Die nette Dame, die mein Auf und Ab vor dem Schaufenster schon beobachtet hatte, schloss mir auf. Sie meinte, es sei auch ihr Lieblingsring, und wir sprachen kurz über die Kollektion und die benötigte Größe. Am Ende lief ich wieder zurück Richtung San Lorenzo – den 6.000-€-Ring ließ ich vorerst an seinem angestammten Platz im Schaufenster auf der Ponte Vecchio. Natürlich nur, damit andere ihn auch noch bestaunen können.
Jetzt mache ich erst einmal Pause im Zimmer, bevor ich um 16 Uhr zum nächsten Museum gehe.
Achso …. WM hat begonnen. Ich konnte sogar das erste Spiel schauen: Mexiko – Südafrika. Italien hat gewonnen.
Morgen Nachmittag geht’s dann zurück… Aber bis dahin gibt es noch Einiges zu sehen.