

Trotz unterbrochenen Urlaubs dachte ich mir: Warum schreibe ich nicht einen Artikel über meine Wahlheimat Meran? Die Rückreise von Rom war sehr entspannt, zumindest für mich. Gab es doch eine Direktverbindung im Frecciarossa nach Bozen mit 4:58 Stunden Fahrtzeit. Da es bei Fernzügen in Italien zu jedem Ticket immer einen Sitzplatz gibt, hat man nie das Problem der Platzsuche. Sind keine Sitzplätze mehr verfügbar, muss man sich irgendwo ein Kamel suchen, um an sein Ziel zu kommen. Kleiner Hinweis dazu: Mit dem Kamel sollte man geringfügig mehr Zeit einplanen.

Zu Hause angekommen – also im Meran-Zuhause –, fühlte ich mich gleich wieder wohl. Das Gefühl hatte ich sofort, als ich zum nächsten Biomarkt (dem Biokistl) schlenderte, um für die ersten Tage einzukaufen. Ich überlegte, was mir hier so besonders gefällt. Erstens: Es ist sehr grün. Um einen herum stehen nur niedriggeschossige Häuser und Villen. Des Weiteren kreuzt mein Weg immer ein bis zwei gepflegte Parks mit Wasserläufen. Und schließlich säumen ringsherum majestätische Gebirgsketten das Blickfeld. Das Klima ist aktuell angenehm frisch, eine willkommene Alternative zu den zuletzt doch sehr heißen und trockenen Tagen.
Von der Wohnung aus sind alle Wege zu Fuß machbar. Das Auto hat Sendepause, und zwar von der Ankunft in Meran bis zur Abfahrt nach Deutschland. Er kann einem fast ein bisschen leidtun, denn eigentlich fährt er gerne durch die Berge und ist dann immer ganz aufgeregt. Na gut, manchmal darf er in den Bergen spielen.
Meran war einmal die Hauptstadt Tirols, bevor dieser Status nach Innsbruck verlegt wurde. Kaiserin Sissi fühlte sich hier ebenfalls zu Hause und genoss zu Genesungszwecken die Ruhe und das Klima der Kurstadt.
Ich möchte ein paar Orte benennen, die ich gerne zusammen mit der allerbesten Ehefrau von allen gerne aufsuche.
Kulinarik

St. Joseph ist ein Alters- und Pflegeheim mit angebundenem Klinikum. Ich nenne diese Einrichtung nicht zuerst, weil ich zur Zielgruppe gehöre, sondern weil diese eine angeschlossene Cafeteria und eine Mensa besitzt. Das Café bietet öfters die erste Stärkung vor dem täglichen Webkonferenzmarathon mit Cappuccino und Brioche con Crema. Mittags bietet die öffentliche Mensa ein sehr gutes Mittagsmenü an. Hier wird frisch gekocht und gebraten. Das Essen hat Restaurantniveau zum Preis einer Hauptspeise von ca. 15 Euro. Die Speisen werden natürlich auf der dazugehörigen Sonnenterrasse eingenommen, versteht sich ja von selbst. Und von dem ganzen Essensstress braucht man dann wieder einen Espresso zum Abschluss. Fünf Minuten Gehzeit sind hier einzurechnen, und schon hat man sich bewegt.

Alternativ bietet auch unsere Bar Christina immer einen Grund zum Pausieren. Auch hier kann man Kaffeespezialitäten, Piadini und Brioche zu sich nehmen. Cappuccino nur vormittags, versteht sich. Wir sind ja schließlich Italiener. Allerdings lässt es sich hier nicht immer gut sitzen. Der Innenbereich bietet nur wenige Sitzplätze und der Außenbereich ist witterungsabhängig. Lufttechnisch hat man hier ebenfalls Einschränkungen. Neben den Hauptstraßenabgasen wird in Italien auch sehr viel geraucht. Also gefühlt rauchen alle. Und wohin zieht’s? Genau. Dahin, wo ich sitze. Ansonsten bin ich hier sehr gerne, vor allem wegen des netten Inhaberpaares. Auch hier sind es wieder nur zehn Minuten zu Fuß.

Eine weitere Gastlichkeit ist die Pizzeria „357“. Diese wurde mehrfach ausgezeichnet und macht nach meiner Ansicht neben dem „La Smorfia“ die beste Pizza. Auch hier sind es maximal fünf Minuten Gehweg.

Wer gerne Kuchen isst, ist direkt in der Altstadt im Pöhls gut aufgehoben. Eine ganze Theke voller leckerster Scheißerchen erfreut jedes zuckerverwöhnte Herz. Ein Hoch auf die Diabetes!
Gute kleine Snacks gibt es auch im Pur Südtirol. Es ist halb Geschäft mit regionalen und biologischen Produkten und halb ein kleines Bistro mit Sitzgelegenheiten drinnen und draußen. Der Burger „Gärtnerin“ und alkoholfreier Prosecco sind hier zu empfehlen.

Nicht zuletzt wäre noch wichtig: Wo gibt’s das beste Eis? Klare Antwort: bei Sabine. Sie betreibt zwei Eisläden in der Innenstadt und ist immer gut besucht. Schmeckt auch unheimlich gut.
Shopping
Puh, Shopping? In Italien? Aber hallo! Die Geschäfte in Meran sind eher kleine Boutiquen als große Bekleidungsketten. Ein H&M gibt es aber auch. Als modebewusster Mann von Welt kaufe ich sehr gerne bei Globus Mode und Gutteridge Milano ein. Beide Geschäfte bieten qualitativ gute Mode zu vernünftigen Preisen. Als Pendant würde ich in Deutschland Breuninger sehen, wobei Letzterer auch höherpreisigere Produkte anbietet. Die Produkte von Dan John überzeugen mich hingegen nicht – weder von der Qualität des Stoffes her noch von der Verarbeitung. Generell bietet die Laubengasse von Meran für alle etwas.
Erleben
Als Erlebnis gibt’s hier wirklich nichts zu sehen. Außer vielleicht der Passerpromenade. Diese ist an zwei Stellen frei zugänglich gemacht worden, sodass man seine von Wanderungen geschundenen Füße abkühlen kann. Ok, wandern kann man auch. Für Wanderungen der Kategorie „Lass uns einfach mal etwas Luft schnappen“ gehe ich gerne den Tappeiner Weg, den Maiser Waalweg oder auf dem Hirzer Plateau entlang.

Ersterer startet direkt oberhalb der Altstadt am Pulverturm und führt am Berghang unterhalb von Dorf Tirol entlang. Von hier hat man einen wunderschönen Blick über Meran und das dahinter liegende Tal. Am Horizont kann man die Dolomiten erblicken. Der Weg ist gut gepflegt und mit einheimischen Pflanzen versehen.
Der Maiser Waalweg führt von Meran Obermais bis nach Saltaus, zur Hirzer Seilbahn. Der Weg ist reichlich acht Kilometer lang, und zum Startpunkt brauche ich ca. 15–20 Minuten. Waalwege sind generell für jedes Alter und Fitnesslevel zu empfehlen, weil es immer relativ eben am Wasserlauf (dem Waal) entlanggeht. Nur ist der Weg zum Waalweg manchmal mit Anstrengung verbunden. Also für andere, nicht für mich.

Das Hirzer Plateau ist ein wunderbarer Ort für kleine, entspannte Wanderungen. Mit der eben genannten Seilbahn von Saltaus geht es auf knapp 2.000 m hinauf. Hier befinden sich natürlich einige Hütten, in einer davon rutsche ich auch mit der Familie in das neue Lebensjahrzehnt. Mal sehen, was die Dreißiger so bringen.


Baden kann man in unmittelbarer Nähe auch. So ist natürlich die Therme Meran mit ihrem großen Außenbereich zu empfehlen. Im Saunabereich ist ein Schwimmbecken mit großer Glasfront ein Highlight. Hier kann man ankommende Saunierer mit seinem Allerwertesten wackelnd begrüßen. Das wurde bereits verprobt, mehr sage ich dazu nicht. Weiterhin ist das Naturbad in Gargazon und die Seen Kalterer See und die zwei Montiggler Seen zu empfehlen. Am Kalterer See kann man sich auch ein Tretboot ausleihen und direkt von da ins kühle Nass springen. Wobei richtig kühl ist er nicht, da er ja maximal fünf Meter tief ist.
Fazit
Also, alles zusammengenommen: Die Kulinarik, die Natur, die Geschäfte und die kurzen Wege bieten für mich eine hohe Lebensqualität, die ich bisher nirgends fand.
Reise

Der Krankenstand im Haushalt hat sich etwas gebessert, alle sind gut mit Medikamenten versorgt. Somit kann ich es wagen, die restlichen Tage „in Freiheit“ auszukosten, auch wenn ich die allerbeste Ehefrau von allen natürlich gern mitgenommen hätte.
Das letzte Hotel ist gebucht, die Zugtickets auch. Nachdem dies erledigt war, informierte mich Google News über den Bahnstreik am heutigen 11.6. Ich find’s klasse. Aber es gab garantiert bediente Züge, meiner zählte dazu. Schwein gehabt. Also geht es jetzt noch einmal für drei Nächte nach Florenz. Ich liebe diese Stadt, diesmal also ein Ziel, das ich schon kenne. In reichlich drei Stunden bin ich da und wohne auch relativ zentral, sodass ich wieder alles in gewohnter Weise zu Fuß ablaufen kann. Auch wenn ich diesmal gesundheitstechnisch alles noch entspannter angehen werde. Der Vorteil des Boxenstopps daheim ist auch, dass ich jetzt nur mit einem kleinen Rucksack ausgestattet die Reise antreten kann. Also Medici … ich komme!