Ladispoli

… ist nicht gerade ein attraktiver Ort. Er lebt vom Strandleben, und auch hier merkt man, dass noch keine Hauptsaison ist. Teilweise werden die Strandbars und Restaurants noch den letzten Schönheitsreparaturen unterzogen.

Strand in Ladispoli

Eigentlich wollten wir nach Rom. Eigentlich wollte ich ins Wasser springen. Eigentlich wollte ich die Woche anders verbringen. Aber wie das so im Alter ist: Eine Infektion klopft an und der Körper sagt schneller „Herein!“, als mein Verstand vielleicht vorher gerufen hätte: „Wer ist da?“. Somit spielten kleine Biester mit meinen Mandeln Fußball und traten immer schön dagegen. Am Donnerstag hatte ich dann auch meine Stimme verloren (manch einen freut’s vielleicht) und an Schlucken war nicht mehr zu denken. So fuhr ich in Italien per Tatütata zum 20 km entfernten Krankenhaus und verbrachte dort den Großteil meines Tages. Auf der Liege in einem 6-Mann/Frau-Zimmer.

Ich bin ja der totale Freund von Krankenhäusern, jetzt echt. So Blutabnahmen … da steh ich voll drauf. Da die gute Schwester meine Vene nicht fand, sagte eine zweite Schwester zu mir: „Second Shot.“ Also, wenn mir jemand in den Körper Nadeln reinsticht, sagen wir so: grenzwertig. Zweimal … mein Atem wird flacher … Und natürlich … erst Shot drei brachte den ersehnten Durchstich. Nach dem Nadel-Roulette war das jetzt der Moment, an dem ich den Rollstuhl gegen eine bequeme Liege eintauschte. Aber das zugeführte Schmerzmittel schlug an, Schlucken war wieder möglich. Zumindest für eine Zeit.

Hospital

Über eine kurze Zwischenstation im Gang landete ich dann in einem Krankenzimmer für sechs Personen. Ich sah meine Zukunft vor mir: Alte Menschen. Ich hoffe, es dauert noch etwas, aber die Zeit vergeht ja immer schneller. Wer hat eigentlich diese hässlichen Deckenkonstruktionen mit dem Metallgitter und den eingehängten Styroporplatten erfunden? Der muss ja weltweit ohne Ende Geld verdient haben. Zumindest mehr als ich. Auch hier hatte ich genug Zeit, das architektonische Meisterwerk zu bestaunen. Ich hatte ja auch nichts weiter zu tun. Für mich gab es nämlich weder Essen noch Trinken – im Gegensatz zu den anderen Patienten. Ich beobachtete, wie liebevoll und geduldig ein junger Pfleger mit einer älteren Dame umging, als diese per Rollstuhl flüchten wollte. Ganz ruhig und italienisch gestikulierend erklärte er ihr wohl, dass sie hierbleiben und wie alle (tutti) anderen warten müsse. Auch einen in Deutschland geborenen Pfleger gab es.

​Irgendwann kam dann die Nachricht, dass ich meinen Befund erhalte und dann gehen kann. Vorher bekam ich meine Medikamente noch intravenös verabreicht, dazu wurden mir Instruktionen für die Einnahme und der Weg zur nächsten Apotheke erklärt.

Dort holte ich meine Antibiotika und andere Sachen ab und bestellte mir per Uber ein Taxi zurück ins Hotel. Dank der Medikamente ging es mir endlich besser und ich konnte die schöne Aussicht im Taxi genießen. Wir fuhren über kleine, erhöhte Straßen, die den kompletten Blick auf die umgebende Landschaft freigaben.

Poolday

Heute ist mein letzter Tag hier in Ladispoli. Im Grunde empfiehlt sich der Ort für alle, die Badeurlaub mit feinem Sandstrand (auch wenn er schwarz ist) und kurze Wege nach Rom suchen. Mit der Bahn ist ist man für drei Euro in 50 Minuten im Zentrum von Rom.

Ich werde mich mit der allerbesten Ehefrau von allen erst einmal nach Hause begeben, da sie auch angeschlagen ist. Rom kann warten, wir kommen zurück, Rom gibt es schon länger und wird es sicherlich noch eine Weile geben. Vielleicht mag uns ja jemand begleiten. Wenn es mir Mitte der Woche wieder besser geht, werde ich mein letztes Ziel in Angriff nehmen, bevor sich mein Solo-Urlaub dem Ende neigt.

Bis dahin gibt es heute noch einmal Aperitivo (natürlich Non-alcoholic) und leckeres Abendessen beim Sonnenuntergang am Meer.

Abendstimmung