Als Start meiner kleinen Italien-Rundreise habe ich mir Triest ausgesucht. Ich weiß nicht warum, aber es schien so abgeschieden, da komme ich bestimmt nicht noch einmal hin. Eigentlich war das ja gar nicht der Beginn meiner Italienreise, da ich ja in Meran startete. Aber jetzt ging es erst richtig los. Der erste Tag sollte aber so seine ersten Herausforderungen mit sich bringen.
Nachdem ich ausgeschlafen hatte, brachte ich die Wohnung noch in den besten Zustand, damit Einbrecher nicht schlecht von mir denken. Um 9 Uhr trabte ich Richtung Bus und zufällig liegt daneben gleich meine Haus-und-Hof-Cafe-Bar „Bar Christina“. In dieser nahm ich mein Frühstück ein und wartete auf den Bus, welcher 10:12 Uhr fahren sollte. Als dieser kam, sah ich nur Menschen. Viele Menschen. Ich quetschte mich hinein und stand gleich vorn neben dem Fahrer. Bei den Unterhaltungen bekam ich den Grund des überfüllten Busses mit. Auf der Bahnstrecke zwischen Meran und Bozen wurde an diesem Morgen gebaut. Daher nutzten alle den Bus. Gut, dass ich nicht die Bahn nahm.
Der Zug in Bozen war ein Zug der ÖBB. Und was soll ich sagen: er kam auf die Minute genau. Donnerwetter. Sitzplatz gab’s auch, prima. Die meisten Passagiere stiegen in Verona aus, so dass die Strecke Verona – Venedig doch recht überschaubar war. Wahrscheinlich fuhren die meisten mit dem Frecciarossa. Als ich in Venedig Mestre ausstieg, merkte ich sofort andere Temperaturen. Es war doch schön warm. Lag aber auch vielleicht daran, dass es 3 1/2 h später war. Der Regionalexpress nach Triest kam aber 10 Minuten verspätet an. Dieser war wieder recht voll. Ich ergatterte den letzten Sitzplatz und parkte meinen Rucksack im Fahrradbereich. Die letzte Etappe sollte ca. 2,5 h dauern. Die meisten Fahrgäste verließen den Zug schon in Treviso, unserem ersten Stopp. Weiter ging es über Udine und Gorizia. Wenn ich meine Hand aus dem Fenster gestreckt hätte, wäre sie in Slowenien gewesen. Die letzte Strecke zog sich wie Kaugummi. Aber landschaftlich herrlich. Was mir besonders gefallen hat, waren die saftigen grünen Laubwälder so weit das Auge reichte. Die Lage erinnert mich etwas an Dresden. Ab vom Schuss am Arsch der Heide, oder Tal der Ahnungslosen. Nur mit Meer und Hafen. Aber es unterscheidet sich von Deutschland, speziell Ostdeutschland, dazu später. Am Bahnhof angekommen, pünktlich, der Zug hat die Verspätung aufgeholt, ja das gibts.

Jetzt ging es zur Ferienwohnung. Diese hatte ich erst spontan am Vortag gebucht. Sie lag ca. 30 Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Apropos Bahnhof: ja … Triest hat einen Kopfbahnhof. Und … sauber … modern … hell. Im vorderen Teil des Bahnhofs ist noch alles voller Gerüste von den letzten Modernisierungsarbeiten. Der Boden aus Marmor, die Wände sauber und mit Säulen. Auch der Bahnhofsvorplatz sah super aus. Ich schaute mich um: also eigentlich alles sieht gepflegt und sauber aus. Die Häuser wie frisch saniert. Kein Graffiti, kein Müll. Nur etwas muffig vom regen Treiben des Straßenverkehrs.

Handy raus und ab zur Wohnung. Bei der Ankunft fand ich kein Schild wegen der Unterkunft, somit schrieb ich den Gastgeber über expedia an um sozusagen „Hallo ich bin da. Wo muss ich hin?“ zu schreiben. Der Gastgeber war von meiner Ankunft ganz überrascht, hatte er weder von Expedia die Buchung weitergeleitet bekommen, noch meine Zahlung von ihnen erhalten. Das Appartement war leider auch belegt. Ein Traum. Also nächste Unterkunft gesucht, die 2,4 km entfernt war. Check-In war diesmal im Best Western Hotel, dem das gebuchte Appartement ebenfalls gehörte. Nun muss man wissen, Triest ist nun nicht gerade flach, eher bergig. Und dann schön bei Wärme und mit Reiserucksack auf dem Rücken….da brauchst keine Dusche mehr. Jedenfalls bekam ich mein Zimmer, schrieb noch mit Expedia wegen des anderen Appartements. Ich bekam meine Buchung problemlos erstattet. Also das muss ich sagen: ich hatte bei Expedia wiederholt ein Problem und es wurde jedes Mal unkompliziert gelöst. Alles halb so wild.
Abends gab’s in einer kleinen Pizzeria eine leckere Pizza Prosciutto. Der Wirt lud mich dann noch zu einem Absacker ein. Er zeigte mir ganz stolz sein Repertoire und pries den Whiskey an. Zum Glück den mit Honig. Er kannte das Wort Biene oder Honig nicht auf Englisch und machte „Brummmbrummmm“. Ich musste schmunzeln und sagte ganz souverän: Whiskey con miele? Da freute er sich über meine Sprachkompetenz und Zack … war das Glas geleert.


Am nächsten Morgen ging es dann Triest erkunden. Also wenn man nach Osten fährt, jetzt generell in Deutschland, erwartet man ja keine schönen Städte, aber in Italien ist auch der Osten schön. (Ich weiß ich werde diese Sätze noch aufs Butterbrot geschmiert bekommen, als Vaterlandsverräter). Aber ich habe beim Bummeln wieder sehr viel nachgedacht. Über dies und das, über Ziele, Lebensqualität, Sinn des Lebens, wo gibt’s das beste Eis? Was man halt so denkt. Die Häuser sind fast alle richtig saniert, dabei ist alles alter Baubestand. Mit den klassischen Markisen und Verzierungen wie man es in anderen italienischen oder französischen Städten sieht. Die Stadt ist wieder lebendig. Und genau das ist es, was das Leben lebenswert macht. Da können auch die Häuser älter sein. Siehe nur Venedig, da zerfällt gefühlt die ganze Stadt, aber die Stadt lebt durch die Menschen. Ich entschied mich am ersten Tag nach Ausflugsempfehlungen zu schauen. Hier gibt es UNESCO Weltkulturerbe Stätten wie die größte Grotte Europas. Die meisten Orte waren eher mit dem Auto zu erreichen. Viele Ausflüge starteten in Ljubljana, der Hauptstadt von Slowenien. Dafür war ich aber in meinen zwei Tagen Triest nicht gerüstet und so entschied ich mich für eine Schnitzeljagd-App per Handy. Mit dieser steuerte man verschiedene Punkte der Stadt an, bekam eine Erklärung und musste Fragen lösen. Dies führte dazu, dass man sich mit den Attraktionen auseinandersetzen musste. Ein weiterer Vorteil war die gezielte Wegführung, so dass diese im Abstand von wenigen Minuten abgelaufen werden konnten, ohne Kreuz und quer durch die Stadt zu irren. Sie führen mich von der Kathedrale SanGuisto über einen alten Römerbogen und ein nach vielen Jahren wiederentdeckten Amphitheater zum Canal Grande von Triest.



Auf dem Piazze Unita d’Italia wurden mehrere Oldtimer für ein traditionelles „Rennen“ ausgestellt. Am Hafen thronte ein großes MSC Kreuzfahrtschiff.
Vor lauter Erschöpfung brauchte ich erstmal was Frisches. Ein Spritz musste her. Aber vorher gab’s erstmal was Festes. Piadina und ein Insalate Mista mussten herhalten. Insgesamt bin ich von der Stadt sehr angetan. Es gibt viele Spielplätze für die großen und kleinen Kinder, architekturtechnisch ist die Stadt auch etwas fürs Auge. Natürlich darf in einer größeren Stadt auch ein Opernhaus, oder wie in diesem Fall zwei Opernhäuser nicht fehlen.



Heute ist mein zweiter und letzter Tag in Triest. Morgen geht’s dann wieder weiter.