Hüttenzauber

Bergwelt

Wenn die Tage richtig heiß werden, was macht man dann? Ab ins Wasser – oder, wie ich: hoch hinaus! Während im Tal satte 37 Grad herrschten, waren es in 2.000 Metern Höhe doch angenehme 20 Grad. Es sieht von unten gar nicht so hoch aus, und mit der Seilbahn ist man schnell oben in der Frische.

Zimmerblick

Letztes Wochenende sollte es so weit sein: Mein geplantes Hüttenwochenende in der Hirzerhütte bei Meran stand an. Der Fitnessgrad war niedrig, die Motivation dafür umso höher. Die Hütten waren außen rustikal, innen aber sehr schön und modern ausgestattet. So ging es also wieder einmal mit dem Rucksack in ein kleines, neues Abenteuer. Drei Nächte zusammen mit Kuh und Alpaka, weit weg vom Alltag.

Die gewählte Hütte lag etwa 15 Gehminuten von der Bergstation der Seilbahn entfernt. Als ich diese Hütte und die Alm im Herbst 2011 zum ersten Mal sah, habe ich mich sofort in sie verliebt. Seither ist sie ein regelmäßiges Ziel bei meinen Wanderungen. Am ersten Abend machten alle Gäste und ich erst einmal einen kleinen Rundgang um die Alm. Alle freuten sich über die angenehme Temperatur, die frische Luft und die Ruhe. Was man auf Almen ja am meisten hat, ist Zeit. Nicht, weil man keine Pläne für den Tag hätte, sondern weil das Handy permanent „Kein Netz“ anzeigte. Das (imaginäre) WLAN-Passwort der Alm lautete passend dazu auch: „EsgibtKeinWLANaufDerAlm“. Es war eine ganz neue Erfahrung. Man merkte, wie oft man doch darauf versessen ist, das Handy in die Hand zu nehmen, um einfach mal schnell etwas nachzuschlagen – seien es die aktuellen WM-Ergebnisse oder auch nur die Zugverbindungen für die Rückreise der Gäste. Aber es ging auch ohne! Selbst die Toilettengänge waren dadurch merklich kürzer. Als Kind des 20. Jahrhunderts (klingt jetzt irgendwie alt) kennt man zum Glück noch die TXT-Taste am Fernseher. Ja, genau: Teletext oder Videotext. Der informierte uns dann über die aktuellen Ergebnisse – es war fast wie früher. Nur das Testbild habe ich mir diesmal nicht anschauen wollen.

Sprung ins Wasser

Nach dem Frühstück ging es Samstagmittag aber noch einmal in die Bruthölle, sprich: hinab ins Tal. Eigentlich hatte ich für alle Canyoning geplant. Da aber drei unserer Gäste der Herausforderung nicht ganz gewachsen waren und ich leider immer noch erkältet war, blieb nur die junge Generation übrig, um sich todesmutig in die Fluten der Passer zu stürzen. Ich war schon sehr traurig, nicht fit genug zu sein, hatte ich das doch hier schon einmal zusammen mit meiner Tochter gemacht (wir hatten quasi schon einmal „gecanyoningt“). Diesmal hatten die beiden mit dem Guide quasi eine Privatveranstaltung, da es keine weiteren Mitsportler gab.

Nachdem wir sie am Veranstaltungsort abgesetzt hatten, fuhren die allerbeste Frau von allen und ich in den Nachbarort St. Leonhard. Da die Sonne weiterhin ordentlich ihre kleinen Feuerbälle in Richtung Erde schickte, flüchteten wir in das vom Parkhaus aus gesehen nächste Eiscafé. Dort gab es für mich ein ordentliches Pizza-Eis. Nicht zu verwechseln mit einer Eis-Pizza (also einer schnöden TK-Pizza)! Pizza-Eis wird auf einem echten Teller mit Rand serviert; das Eis bildet sozusagen den Teig, belegt mit allerlei frischen Früchten. Während des Eisverzehrs passierte etwas Unerwartetes: Es grummelte. Aber nicht in meinem Bauch, sondern in der Luft! Kurz darauf fing es tatsächlich an zu regnen. Nach 15 Minuten war der Spaß aber schon wieder vorbei und die Luft war genauso aufgeheizt wie zuvor. Danke für nix.

Später ging es mit den erfrischten und strahlenden Kindern wieder hoch auf den Berg. Es wurden fleißig Erlebnisse mit den Dagebliebenen ausgetauscht und natürlich wieder Kühe bestaunt. Abends beschlossen wir, noch einmal kurz zum Bach mit den Wasserspielen zu gehen.

Traumhafter Wanderweg

Am Sonntag gab’s erst einmal wieder ordentlich Frühstück, und danach hatte ich nur noch ein einziges Ziel: meine Bank. Über den Almhüttenweg ging es leicht bergauf einen wunderschönen, alpinen Pfad entlang. Wie soll man ihn beschreiben? Ich mag diese kleinen Wege am liebsten: gerade breit genug für eine Person, weicher Waldboden, ab und zu etwas Gestein, über das man schwungvoll steigt. Gesäumt wurde der Weg auf dem ersten Stück von kleinen Bäumen, vielen Sträuchern, Enzian und wer weiß, was noch für Pflanzen. An einer schönen Lärche gab es einen Steinhaufen, der fast ein wenig an ein Grabmal erinnert. Hier hielten wir alle kurz inne – für den Weltfrieden. Weiter ging es eher ebenerdig bis zur nächsten kleinen Anhöhe. Und da stand sie: meine Bank für ein friedliches Universum. Ihr wisst schon – wenn man sein Tagewerk vollbracht hat, sich auf die Bank setzt und einfach nur auf ein friedliches Universum blickt. Genau dort steht diese Bank. Leider war sie zunächst von zwei sehr gesprächigen Damen besetzt, die keinerlei Anstalten machten, auch mal einem netten, erschöpften, älteren Herrn etwas Platz zum Ausruhen zu machen. Also muss ein Mann tun, was ein Mann tun muss: Er scheucht sie fort. Beziehungsweise fragt höflich, ob wir nicht vielleicht mal ein Gruppenfoto auf der Bank machen könnten. Das wurde uns gestattet, und da war er dann … der Blick.

Blick aufs friedliche Universum

Nach diesem Highlight ging es ein paar Meter nach unten zur Mahdalm – Zeit für eine Pause. Ich mag diese Alm ebenfalls sehr, hier packt wirklich die ganze Familie mit an, vom Knirps bis zu den Großeltern. Der Rückweg führte uns dann nicht mehr über den Almhüttenweg, sondern über den normalen Wanderweg, der gleichzeitig auch als Versorgungszufahrt dient. Ich persönlich finde solche Wege ja tierisch langweilig: Man hat nichts Spannendes vor den Füßen, man läuft einfach nur stumpf vor sich hin. Aber nach gut 40 Minuten waren wir wieder zurück an unserer Hütte. Zum Abschluss gab’s noch einmal richtig deftige Hüttenkost. Ich glaube, auf unseren Tellern war so ziemlich alles dabei: Spiegelei mit Speck und Bratkartoffeln, Knödel, Kaiserschmarrn und Spareribs. Nach dem Essen spielten wir noch eine kleine Runde Karten und dann ging es auch schon zur letzten Bettruhe in den Bergen.

Blick auf die Hirzerhütte

Fazit: Wer also einmal eine echte Auszeit sucht, fernab vom Alltagstrubel und ganz ohne Handynetz – fahrt auf eine Berghütte! Mir hat es richtig gut gefallen und es wird garantiert nicht mein letztes Bergwochenende gewesen sein. Ich stelle es mir zum Beispiel auch großartig vor, einmal Silvester mit Freunden auf so einer Hütte zu verbringen.




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